Dune

Mit Dune kam am 16. September 2021 ein heißersehnter Film in die deutschen Kinos. Ursprünglich sollte er schon im letzten Jahr veröffentlicht werden, der Termin wurde aber aufgrund der Pandemie um ein Jahr verschoben.

Von Tim Martach

Inszeniert wurde das Science-Fiction-Epos von Regisseur Denis Villeneuve, der zuvor von der Kritik gelobte Filme wie „Sicario“, „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ schuf. Der Cast beinhaltet einige der bekanntesten Schauspieler dieser Zeit, darunter Timothée Chalamet (Call Me by Your Name) in der Hauptrolle, Rebecca Ferguson (Mission: Impossible – Fallout), Oscar Isaac (Inside Llewyn Davis), Stellan Skarsgård (Good Will Hunting) und Josh Brolin und Javier Bardem, die beide zuvor bereits in „No Country for Old Men“ zu sehen waren. Außerdem spielt Zendaya (Spider-Man: Homecoming) eine kleinere Rolle. Mit knapp 2,5 Stunden Laufzeit ist das Epos etwa 10 Minuten länger als die Adaption von David Lynch.

Wir schreiben das Jahr 10.191. Anders als in den meisten Zukunftsgeschichten hat sich nicht die Technologie, sondern die Gesellschaft geändert und weiterentwickelt. Im gesamten Universum, geführt von Imperator Shaddam IV., herrscht der Feudalismus, das heißt die Gesellschaft ist in Häuser aufgeteilt, von denen die in der Geschichte relevantesten das Haus Atreidis und das Haus Harkonnen sind. Der Planet, um den sich die Story dreht, ist der Wüstenplanet Arrakis. Er ist der einzige Ort im Universum, an dem man die Wunderdroge Spice abbauen kann. Spice, auch Melange genannt, ist ein Gewürz, das Denkprozesse und geistige Wahrnehmung verstärkt, die Lebensdauer des Menschen um ein Vielfaches verlängert und zudem unabdingbar für die interstellare Raumfahrt ist, weil es als eine Art Antrieb fungiert. Das Gewürz ist also stark gefragt und die wertvollste Substanz im Universum. Über Jahrzehnte kontrollierte das tyrannische Haus Harkonnen, unter der Führung von Baron Wladimir Harkonnen, Arrakis und den Spice-Abbau. Dabei unterdrückten sie die indigenen Völker, die Fremen, und versetzten den Planeten in einen katastrophalen Zustand. Plötzlich zieht Shaddam IV. die Harkonnen von Arrakis ab und überschreibt die Verantwortung über den Planeten an das Haus Atreidis, das von Herzog Leto Atreidis angeführt wird. Kaum auf Arrakis angekommen, werden die Atreidis schon mit den ersten Problemen konfrontiert. Die Spice-Erntemaschinen sind in schlechter Verfassung, gigantische Sandwürmer tummeln sich im Untergrund und Sohn Paul Atreidis, gespielt von Chalamet, ist schon seit Längerem von mysteriösen Visionen geplagt. Die Probleme in den Griff zu bekommen, erweist sich als schwieriger als angenommen, vor allem wegen des Einflusses von außerhalb. Was genau passiert und wie es weitergeht seht ihr im Kino.

Der Film basiert auf der ersten Hälfte von Frank Herberts Roman „Dune“ aus dem Jahr 1965. Schon die Eröffnungssequenz mit der Inschrift „Dune – Part One“ lässt erahnen, dass ein Film für die zweite Hälfte geplant ist. Der Stoff galt für lange Zeit wegen seiner Komplexität als nicht-verfilmbar, bevor er 1984, nach mehreren gescheiterten Versuchen, von David Lynch zum ersten Mal auf die Leinwand gebracht wurde. Lynch entschied sich bei „Dune – Der Wüstenplanet“ das Material aus dem gesamten ersten Buch in einen Film zu stecken, und scheiterte dabei bei den Zuschauern. Durch eine zu kurze Laufzeit vollgepackt mit zu viel Filmstoff fehle dem Film an Tiefe. Außerdem ist die abgedrehte, skurrile Art nicht bei allen gut angekommen. Im Jahr 2000 und 2003 folgte jeweils eine dreiteilige Miniserie unter dem Titel „Dune – Der Wüstenplanet“ bzw. „Children of Dune“, die aber ebenfalls nur mäßige Kritiken abbekamen. Eine Dokumentation über Dune wurde 2013 veröffentlicht. „Jodorowsky’s Dune“ zeigt den kläglichen Versuch von Alejandro Jodorowsky, das Material in den Siebzigern zu verfilmen. Im Jahr 2018 wurde dann bestätigt, dass an einem neuen Dune-Film gearbeitet wird. Dieser ist nun im Jahr 2021 nach langem Warten erschienen.

Vorneweg: Ich habe das Buch zum Film nicht gelesen, deshalb kann ich in meiner Kritik keinen Bezug zum Roman nehmen. Dune ist auf jeden Fall einer der eindrucksvollsten und bildgewaltigsten Filme, die ich gesehen habe. Dieser Film zieht einen über die gesamte, trotz seiner Überlänge von insgesamt knapp 160 Minuten, in seinen Bann und lässt dich nicht mehr los. Der Regisseur Villeneuve zeigt uns eine Odyssee, die gleichzeitig ruhig und langsam, aber auch explosiv und spannend inszeniert ist. Über die komplette Laufzeit hinweg wird man so stark in die Story hineingezogen, dass man völlig vergisst, dass das, was man da gerade sieht, überhaupt nicht Realität ist. Wenn dann im Abspann „directed by Denis Villeneuve“ auf der Leinwand steht, sitzt man erst einmal da und muss das, was man gerade serviert bekommen hat, erst einmal sacken lassen. Der Film lässt einen nicht los, man denkt über ihn nach und versucht die Story zu verarbeiten. Eine Szene ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Die Atreidis machen sich auf den Weg nach Arrakis und ihr Raumschiff hebt sich aus dem Meer empor. Diese Szene vereint alles, was ich an Dune schätze: die Kameraarbeit, die uns Bilder epischen Ausmaßes liefert, die sehr guten und realistisch dargestellten Spezialeffekte, der Soundtrack von Hans Zimmer, der meiner Meinung nach nicht sein bester, aber dennoch sehr gut ist, und die Soundeffekte, die der Szene unglaublichen Eindruck verleihen. Wenn während dieser Szene die Kinosessel vom Bass anfangen zu vibrieren, weiß man, dass dieser Film etwas Besonderes ist und man ihn nicht so schnell vergessen wird. Neben Bild und Ton kommen auch die schauspielerischen Leistungen nicht zu kurz. Erwartungsgemäß sind sie bei diesem großartigen Cast alle top. Was der Film außerdem besser macht als seine Vorgänger: Er wirkt erwachsener. Während die 84-er- und 2000er-Adaptionen schrill, bunt und kitschig präsentiert wurden, ist dieser Film in gedeckten Farben gehalten und legt damit das Gewicht auf die Story und die Charaktere. Ebenfalls bemerkenswert ist es, wie es der Regisseur schafft, diese komplexe Geschichte und diese tiefgründigen Charaktere auch für Personen anschaulich zu machen, die komplett unwissend in die Geschichte eintauchen. Geschickt erläutert er uns alle wichtigen Informationen, um die Story völlig zu verstehen.

Am Ende bleibt nur ein Wort, um diesen Film zu beschreiben: Meisterwerk – ein episches Meisterwerk, welches im Sci-Fi-Genre durchaus seines Gleichen suchen darf. Kaum ein anderer Regisseur hätte dieses Buch so verfilmen können, wie Denis Villeneuve es mit Dune tat. Dieser Film ist definitiv für die Leinwand gemacht und sollte auch darauf geschaut werden. Ein Muss für alle Science-Fiction-Fans und Freunden von anspruchsvolleren Filmen. Letztlich kann man nur hoffen, dass Teil 2 nicht zu lange auf sich warten lässt.

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